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Geschichte und aktuelle Entwicklung der digitalen Literatur


EINLEITUNG

"Und was ist also Netzliteratur? Netzliteratur ist das Gespräch in den Drähten, die entfesselte Lust, mit der Sprache Welten zu erschaffen, die so unwirklich sind, wie der Raum in dem sie entstehen und so wirklich wie man sich auf sie einlässt. Netzliteratur scheint auf der Höhe des technischen Fortschritts, aber das täuscht: barfuss kommt sie daher und den Geist, der sie aufnimmt, zerstört sie."

(Schröder: Gibt es Netzliteratur?, 1997)

Computer und Internet haben in den letzten Jahren alle Bereiche unserer Gesellschaft durchdrungen und sind aus unserem Alltag nicht mehr weg zu denken. Weltweit wird die Zahl der Internetnutzer für das Jahr 2000 auf rund 350 Millionen geschätzt. Vor fünf Jahren waren es nur 44 Millionen (Vgl. Computer Industry Almanac). In Deutschland hatten im November 1999 schätzungsweise 12 Millionen Menschen Zugang zum weltweiten Netz . Trotz aller Euphorie sollte jedoch nicht übersehen werden, dass global betrachtet die meisten Menschen von den neuen Technologien ausgeschlossen sind: "2,4 Prozent der Weltbevölkerung nutzen heute das Internet, aber in den Vereinigten Staaten sind es 26,3 Prozent und in Südasien nur 0,4." (Zimmer 2000, S. 40.) Martin Bauer weist darauf hin, dass erst sechs Prozent der Weltbevölkerung das Medium nutzen, die Zahl jedoch in exponentiellen Sprüngen zunimmt und sich in einem Zeitraum von nur sechs Monaten allein in der Bundesrepublik verdoppelt hat (Bauer 2000, S. 5.)

Eingesetzt werden die neuen Technologien am Arbeitsplatz und privat: aus ökonomischen Gründen, für die tägliche Kommunikation, für die Suche nach Informationen, zum Einkaufen und für die Publikation und Distribution von Kunst und Literatur. Da das Internet in erster Linie auf Schrift basiert und daher der Umgang mit diesem Medium Lesen und Schreiben impliziert, stellt es eine ideale Umgebung für literarisches Arbeiten dar: "Die enzyklopädischen Qualitäten und Möglichkeiten des Computers machen das neue Medium zu einem attraktiven Transportmittel für jegliche Art von Narration." (Suter 2000, S. 9)

Die Digitalisierung von Texten wird als die dritte große Revolution des Literaturwesens bezeichnet; dem Computer wird für die Produktionsbedingungen von Literatur eine ebenso große Bedeutung zugemessen wie der Erfindung des Buchdrucks (Siehe z.B. Hautzinger, S. 7 und Heibach, S. 144.) : "Der Gutenberg-Galaxis (McLuhan) wird die Turing-Galaxis gegenüber gestellt." (Heibach, S. 144.)

Beim Digitalisieren von Text wird jedes Schriftzeichen durch eine vom Computer lesbare Zahl wiedergegeben. Digitalisierung ist also die Erzeugung eines elektronischen Abbilds und heißt soviel wie "verziffern". Konkret bedeutet digitalisieren, dass sich Text auf elektronischen Geräten in einem nichtmateriellen Zustand aufbewahren lässt (Zur Digitalisierung von Text siehe ausführlicher: Zimmer, S. 214 -221).

Jay David Bolter sah in elektronischem Text bereits vor zehn Jahren eine Konkurrenz für das gedruckte Buch:

"Today we are living in the late age of print. [...] As we look up from our computer keyboard to the books on our shelves, we must ask ourselves whether 'this will destroy that'. Computer technology (in the form of word processing, databases, electronic bulletin boards and mail) is beginning to displace the printed book. [...] Computers are being used for all kinds of writing, not just office memos and stock quotations. We shall see that the computer has even fostered a new genre of literature, one that can only be read at the computer screen."

(Bolter 1991, S. 2)

Die aktuelle Diskussion um elektronische Bücher lässt die Frage nach der Bedeutung elektronischen Publizierens - auch für den Literaturbetrieb - und die Diskussion um die Zukunft des Buches sowie der Literatur im Allgemeinen erneut aufkommen. John Updike schrieb im Juni 2000 in der Süddeutschen Zeitung eine Hommage an das "gute alte Buch" mit dem Untertitel "Warum ein Leben ohne Bücher kein Leben mehr ist", die er mit folgenden Sätzen begann:

"Wenn die Experten - vielleicht sollte man sie 'E-xperten' nennen - Recht behalten, wird das gedruckte und gebundene Buch, dieses physische Objekt aus Papier und Leim, bald ausgedient haben und durch elektronische Textübermittlungssysteme ersetzt werden, die, wie der Microsoft Reader, schon auf dem Markt sind und so genannte 'Bücher' in einem Taschen-PC von Hewlett-Packard einspeisen. Unmöglich ist das nicht; schon heute hat sich ein großer Teil der schriftlichen Kommunikation, die früher über Briefe, Zeitungen und Zeitschriften transportiert wurde, auf den Computerbildschirm und in die grenzenlose digitale Bibliothek des Internet verlagert."

(Updike 2000)

Literatur hat sich schon immer neuer Medien bedient und mit ihnen experimentiert, war es nun das Telefon oder das Radio. Seit das Internet für die breite Öffentlichkeit zugänglich ist, experimentieren Künstler auch mit den neuen technischen Möglichkeiten, so dass im Laufe der letzten Jahre eine vielfältige und lebendige Literaturszene mit Profiautoren und Amateuren, Wettbewerben und theoretischen Diskursen entstanden ist. Die Literatur im Internet hat sich von Anfang an abseits des großen, renommierten Literaturbetriebes entwickelt. Das deutsche Feuilleton nimmt sie bisher selten ernst und bezeichnet sie als "virtuelle Dichterstübchen" , "virtuelle Schrebergärten" oder - in Anspielung auf die literarischen Salons - als "Literaten-WGs" . Eine ernsthafte Auseinandersetzung ließ sich allenfalls in Bezug auf den Internet-Literaturwettbewerb Pegasus von DIE ZEIT und IBM feststellen:

"Der Internet-Wettbewerb 'Pegasus 98', der von der renommierten Wochenzeitung DIE ZEIT bereits zum dritten Mal ausgeschrieben wurde, zeigt jedoch beispielhaft, daß Netzliteratur nicht mehr nur eine irrelevante Randerscheinung darstellt, sondern öffentlich diskutiert wird."

(Hautzinger, S. 8)

Große Verlage und etablierte Autoren halten sich im Netz zurück, weil sie dort bisher kein Geld verdienen können. Während im "electronic commerce" die Umsätze steigen, (laut Forrester Research wird der globale Jahresumsatz im E-Commerce bis 2004 6,9 Billionen Dollar betragen. In den europäischen Ländern erwarten die Marktforscher insgesamt einen Jahresumsatz von 1,5 Billionen Dollar, was einem Anteil von 22 Prozent am globalen E-Commerce und immerhin 6 Prozent an der europäischen Gesamtwirtschaft entspräche) pflegen Autoren und Literaturliebhaber nach Feierabend ihre Web-Sites und halten mit ihrem Engagement die literarische Online-Welt am Leben: "Elfenbeinturm und Marktplatz sind auf einmal vereinbar geworden." (Schröder: Lias, 1997)

Beat Suter und Michael Böhler beginnen die Einleitung zu dem von ihnen 1999 herausgegebenen hyperliterarischen Lesebuch über Internet und Literatur Hyperfiction mit folgenden Fragen:

"Eher abseits der mittlerweile millionenfach frequentierten Verkehrsströme der Datenautobahn spielen und experimentieren auf dem Internet seit etlichen Jahren auch literarische Gruppen und Grüppchen, die nicht leicht einzuordnen sind und mit denen sich der herrschende Literaturbetrieb vorerst noch eher schwertut: - Ist es die Avantgarde einer Literatur von morgen, die sich nun auch die Computertechnik zu Nutze macht und, wie Avantgarden dies schon immer taten, nach Erweiterungs- möglichkeiten literarischer Gestaltungs- und Ausdrucksformen mit neuen Mitteln sucht? - Ist es die Arrièregarde der Literatur von gestern, die längst bekannte und erprobte Sprach- und Textspiele epigonal im neuen Medium reproduziert und dabei künstlerischen Neuheitswert reklamiert? Oder ist es ein versprengtes Häuflein literarischer Eigenbrötler und E-Bastler in den Weiten des Cyberspace, die in sich und ihre Kreise versponnen literarisch noch wenig anspruchsvolle Text- und Bildcollagen mit viel Programmieraufwand austüfteln, jenen Poeten gleich, deren Energie und Erfindergeist vorwiegend ins Spitzen der Federn fließt?"

Hier möchte die vorliegende Untersuchung ansetzen. Die Entstehung einer neuen Literaturgattung und die Entwicklung neuer Möglichkeiten für die Literatur durch das Internet sollen in Frage gestellt und analysiert werden. Im Zentrum des Interesses steht dabei die Unterscheidung zwischen Literatur im Netz und Netzliteratur.

Das zweite Kapitel gibt eine Einführung in die Entstehung und die Geschichte digitaler Literatur von ihren Anfängen in den sechziger Jahren bis heute. Hierfür wird zunächst ein knapper Überblick über die Anfänge digitaler Kunst und Literatur, die Entstehung und Geschichte des World Wide Web, sowie von Hypertext und Hyperfiction gegeben. Diese Informationen sind grundlegend für das Verständnis des Internets und damit der in diesem Medium entstandenen Literatur.

Anschließend werden die Entwicklungen im Rahmen der Softmoderne - dem Festival der Netzliteratur, des Internet-Literaturwettbewerbs von DIE ZEIT und IBM Pegasus sowie des 1999 ausgeschriebenen 1. Ettlinger-Literaturwettbewerbs vorgestellt. Den Abschluss des literaturgeschichtlichen Überblicks bildet eine Darstellung der Situation im Sommer 2000.

Um die Literatur im Internet einordnen und bewerten zu können, erfolgen im dritten Kapitel Definitionen der Begriffe Literatur, Werk und Projekt, sowie eine Abgrenzung von Netzliteratur gegenüber Literatur im Netz. Das vierte Kapitel gibt anhand einer detaillierten Kategorisierung eine Darstellung aktueller Erscheinungsformen digitaler Literatur im Internet. Mit Hilfe dieser Einteilung wird heraus gearbeitet und anhand praktischer Beispiele veranschaulicht, was Netzliteratur von Literatur im Netz unterscheidet. Die erkenntnisleitende Frage dieser Untersuchung wird in diesem Rahmen sein: Welche Veränderungen lassen sich an der vernetzten kooperativen Literatur ausmachen? Sind durch die technischen und kommunikativen Möglichkeiten des Internets innovative Formen der Literatur entstanden bzw. im Entstehen begriffen? Wie werden sich die technischen Veränderungen auf den Literaturbetrieb auswirken?

Dabei werde ich mich nicht auf die Beiträge für den Internet-Literaturwettbewerb Pegasus beschränken, da diese multimedialen Literaturprojekte nur eine Variante digitaler Literatur bilden und darüber hinaus bereits mehrfach analysiert wurden. Vieles, was digitale Literatur charakterisiert, findet nicht auf statischen Web-Sites statt. In den virtuellen Kommunikationsräumen, wie zum Beispiel literarischen Newsgroups oder Mailinglisten , werden sowohl literarische Texte ausgetauscht als auch Diskussionen geführt. Es sollen daher alle Dienste berücksichtigt werden, die Texte transportieren können: WWW, E-Mail, Telnet und Newsgroups. Hierbei wird die Netzliteratur, die ohne das Internet nicht realisierbar wäre, aus den übrigen Formen heraus gearbeitet.

Das WWW ist ideal für interaktive Literaturprojekte, die ihre Besucher animieren, mit Hilfe von Verknüpfungen, sogenannten Links, in den Seiten zu navigieren und/oder selbst mitzuschreiben. Das fünfte Kapitel stellt daher drei exemplarische kollaborative Netzliteraturprojekte vor.

Ein Ausblick auf mögliche absehbare Entwicklungen der Literatur und des Literaturbetriebes im digitalen Zeitalter bildet das Schlusskapitel des Buches. Diese Untersuchung beschränkt sich auf das deutschsprachige Internet. Werke aus dem englischsprachigen Raum werden nur im zweiten Kapitel berücksichtigt, insofern sie für die Anfänge elektronischer Literatur und der Hyperfiction in den USA relevant sind.

Aus: Sabrina Ortmann: "netz literatur projekt"
berlinerzimmer.de Verlag (offline 2)
Berlin 2001
ISBN 3-8311-2361-6
136 Seiten, 6 Abbildungen
20,45 € 

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