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Vom Klang der Lyrik 

Versuch einer Annäherung an das Sonett 
Ein Essay von Rüdiger Heins
Teil 2

Was ist eigentlich ein Sonett? Wo kommt es her und welche Bedeutung hat das Sonett im 21. Jahrhundert? Fragen, auf die es Antworten gibt, die mit Sicherheit spannender sind, als die sorgsam gepflegten Vorurteile, die zeitgenössische DichterInnen im Hinblick auf diese zugegeben antiquierte Form der Dichtkunst haben.

Teil 1
Der historische Hintergrund des Sonetts
Das lyrische Formgebilde des Sonetts

Teil 2
Die Melodie der Sprache

Von Jamben, Hebungen und Senkungen
Literaturverzeichnis

Die Melodie der Sprache

Wir haben es also bei der Sonettdichtung mit einer durchstrukturierten Dichtkunst zu tun, die sich auf handwerkliche Vorgaben bezieht. Dennoch gab oder gibt es immer wieder DichterInnen, die dem Sonett ihre ganz persönliche Note verliehen, ohne den vorgegebenen Rahmen unnötig zu sprengen; denn die lyrische Bewegung in der Versform des Sonetts bedarf einer sensiblen Textgestaltung. 

Die Nähe des Sonetts zur Musik zeigt nicht nur seine mathematische Mentalität. Der Begriff Sonett, aus dem Italienischen, bedeutet, ins Deutsche übertragen, so viel wie "Tönchen" oder "kleiner Klang". Der italienische Begriff Sonett ist etymologisch mit dem lateinischen Wort sonus verbunden. Was im übertragenen Sinn wiederum Klang oder Ton zu bedeuten hat. Die Nähe zur Musikalität liegt also schon in der Namensgebung des Sonetts verborgen. Andreas Gryphius (1616 - 1664) spricht in diesem Zusammenhang übrigens von einem "Klinggedicht". Auch wenn sich dieser Begriff nicht in die heutige Zeit hinüberretten konnte, sagt er doch Wesentliches über das Sonett als lyrische Ausdrucksform aus: Ein Sonett hat immer auch eine musikalische Qualität (www.Sonett-Archiv.de).

Uralte Buddha-Figur, 
in einer japanischen Waldschlucht 
verwitternd

Gesänftigt und gemagert, vieler Regen 
Und vieler Fröste Opfer, grün von Moosen 
Gehn deine milden Wangen, deine großen 
Gesenkten Lider still dem Ziel entgegen, 
Dem willigen Zerfalle, dem Entwerden 
Im All, im ungestaltet Grenzenlosen. 
Noch kündet die zerrinnende Gebärde 
Vom Adel deiner königlichen Sendung 
Und sucht doch schon in Feuchte, Schlamm und Erde, 
Der Formen ledig, ihres Sinns Vollendung, 
Wird morgen Wurzel sein und Laubes Säuseln, 
Wird Wasser sein, zu spiegeln Himmels Reinheit, 
Wird sich zu Efeu, Algen, Farnen kräuseln, - 
Bild allen Wandels in der ewigen Einheit.

Hermann Hesse, Dezember 1958

In diesem Sonett, das von Hermann Hesse geschrieben wurde, hat er das fernöstliche Buddhathema in die europäische Dichtkunst des Sonetts transportiert. Wir haben es im ersten Quartett mit einem umrahmenden Reim zu tun, der in den beiden Mittelzeilen über einen Paarreim verfügt, also abba. Im zweiten Quartett begegnen wir einem Kreuzreim, der sich bis ins erste Terzett erstreckt abab. Im letzten Terzett bedient sich Hesse wiederum des Kreuzreimes cbc. Interessant an diesem Sonett, das er so nicht deklariert, ist die kontinuierlich durchgehaltene Silbenform von jeweils elf Silben pro Zeile. Im Klartext. Das Sonett kommt mit vier Reimen aus, die sich folgendermaßen gestalten (können): abba abba cdc dcd. Die beiden Quartette bilden beim Sonett eine thematische Antithese zu den beiden Terzetten, die sich auch in der Reimform ihren Ausdruck finden.

Da stieg ein Baum. O reine Übersteigerung ! 
O Orpheus singt ! O hoher Baum im Ohr ! 
Und alles schwieg. Doch selbst in der Verschweigung 
Ging neuer Anfang, Wink und Wandlung vor.

Tiere aus stille drangen aus dem klaren 
Gelösten Wald von Lager und Genist ; 
Und da ergab sich, daß sie nicht aus List 
Und nicht aus Angst in sich so leise waren,

sondern aus Hören. Brüllen, Schrei, Geröhr 
schien klein in ihren Herzen. Und wo eben 
kaum eine Hütte war, dies zu empfangen,

ein Unterschlupf aus dunkelstem Verlangen 
mit einem Zugang, dessen Pfosten beben, - 
da schuft du ihnen Tempel im Gehör.

Rainer Maria Rilke 
Aus die Sonette an Orpheus

Von Jamben, Hebungen und Senkungen

Lyrischer Sprachausdruck setzt sich nicht nur aus den einzelnen Worten, Versen oder Strophen zusammen, die die Dichterin vorgibt. Sprache hat auch unten den Zeilen ein in sich geschlossenes System, dass Lyrik erst zur Lyrik macht, sonst wäre es ja Prosa. Häufig wird in Unkenntnis der Hebungen und Senkungen, der Jamben, Alternationen und anderen melodischen Sprachmelodien auch von zeitgenössischen Dichtern gedichtet, was das Zeug hält - schräge Melodien werden als solche nicht erkannt und gelten als salonfähig, wobei gegen den Klang schräger Melodien nichts einzuwenden ist, nur die Absicht der Dichterin sollte für die geübte Leserin erkennbar sein. 

Genau an diesem Punkt kann uns das Sonett behilflich sein, auch moderne Lyrik in Form zu bringen, ohne dass sie sich gleich reimen muss. Beispielsweise haben wir es bei einer Hebung im metrischen Bauplan mit betonten Silben zu tun. Demzufolge gibt es zwei- drei oder vierhebige Verse (DUDEN 2000: 28). Eine Senkung ist eine unbetonte Silbe in einem metrisch gebundenen Vers. Die Hebungen und Senkungen wiederum ergeben eine Alternation, also ein Wechselspiel aus Hebungen und Senkungen. Der Jambus beschreibt eine steigende Silbenfolge von einer Senkung zu einer Hebung: Gewált (Duden 2000: 29). Beim Trochäus begibt sich ein Vers von der Hebung zur Senkung: Gárten, während der Daktylus eine dreisilbige Folge aus einer Hebung und zwei Senkungen beschreitet: Táp-fer-keit. Zu guter Letzt gibt es noch den so genannten Anapäst, eine dreisilbige Folge aus zwei Senkungen und einer Hebung bestehend: Pa-ra-diès.

Diese Interaktion der Hebungen und Senkungen, gezielt eingesetzt, bestimmen das Metrum der Sprache. Unabhängig davon, ob diese Dichtung im Mittelalter oder in der Neuzeit angesiedelt ist. Soweit eine Einführung in die hohe Mathematik der Verskunst, am Beispiel des Sonetts. Es empfiehlt sich also immer bei der Lektüre oder auch der lyrischen Kreation eines Sonetts, das handwerkliche Hintergrundswissen mit in den Schreibprozess einzubeziehen. Ein Sonett ist, wie wir erfahren haben, nicht nur ein Gedicht, das sich "irgendwie reimt". Sondern, ein Sonett ist eine durchdachte lyrische Konstruktion, die auf ein solides literarisches Handwerk zurückgreifen kann, die durchaus auch noch im 21. Jahrhundert ihren sprachlichen Ausdruck finden kann.

Literaturverzeichnis:

DUDEN Abiturhilfen. Gedichte analysieren. Mannheim 2000.

Hesse, Hermann. Die späten Gedichte. Frankfurt 1963.

Klarer Mario: Einführung in die neuere deutsche Literaturwissenschaft. Darmstadt 1999.

Meid, Volker: Elektronisches Sachwörterbuch zur Deutschen Literatur CD ROM. Stuttgart 2000

Meid, Volker: Sachlexikon Literatur. München 2000.

Rilke, Rainer-Maria: Die Gedichte. Frankfurt 1990.

Reclams elektronisches Reimlexikon. Berlin 1999.

Shakespeare, William: Sonette. München 1996.

Schrott, Raoul: Die Erfindung der Poesie. Frankfurt 1998.

www.Sonett-Archiv.de

Rüdiger Heins ist Autor und Dozent für Creative Writing am INKAS Institut für Kreatives Schreiben in Bad Kreuznach. Weitere Informationen über den Autor dieses Beitrages erhalten sie in den Websites: www.ruedigerheins.de  www.inkas-id.de 

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