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Vom Klang der Lyrik 

Versuch einer Annäherung an das Sonett 
Ein Essay von Rüdiger Heins
Teil 1

Was ist eigentlich ein Sonett? Wo kommt es her und welche Bedeutung hat das Sonett im 21. Jahrhundert? Fragen, auf die es Antworten gibt, die mit Sicherheit spannender sind, als die sorgsam gepflegten Vorurteile, die zeitgenössische DichterInnen im Hinblick auf diese zugegeben antiquierte Form der Dichtkunst haben.

Teil 1
Der historische Hintergrund des Sonetts

Das lyrische Formgebilde des Sonetts

Teil 2
Die Melodie der Sprache
Von Jamben, Hebungen und Senkungen

Literaturverzeichnis

Der historische Hintergrund des Sonetts

Das Sonett ist eine Antwort auf die mittelalterlichen Dichtungen, etwa dem Minnesang im deutschsprachigen Gebieten oder den Liedern der Troubadours im französischen Sprachraum. Die epischen Minnegesänge und auch die so genannten cantigas de amor, der galicisch-portugiesischen Troubadour erfreuten sich einer weiten Verbreitung. Fahrende Sänger trugen ihre Weisen auf den europäischen Königshöfen, den Marktplätzen der mittelalterlichen Metropolen, aber auch auf Volksfesten zur Freude der mittelalterlichen Bevölkerung vor.

Gefährten - wenn man mir 

mein Gastrecht bricht 

muss ich davon singen

das ist des dichters pflicht 

obwohl ich dabei lieber 

auf zuhörer verzicht

Guihelm IX Graf von Poitiers und Herzog von Aquitanien und Troubadour (1071 - 1127)

Dieser Auszug aus einem Troubadourgesang des Guihelm IX soll als kleine Kostprobe für die lyrische Kultur einer ganzen dichterischen Epoche genügen. Einer Epoche, in der die weltliche Dichtung von der religiösen Dichtung streng getrennt wurde. Auf der einen Seite gab es die Minnegesänge, die sich mit allzu weltlichen Themen wie Liebe, Leid und Lust beschäftigten. Auf der anderen Seite finden wir die geistlichen Gesänge der Mönche und Ordensfrauen des Mittelalters, die ihre Verse ebenfalls musikalisch vertonten und uns als gregorianische Choräle überliefert sind. 

Gedicht - Gebet - Gesang waren schon zu Beginn der Dichtkunst ganz "dicht" beieinander. Wobei hier die Frage auftaucht, wann hat denn eigentlich die Dichtkunst begonnen? Die Antwort auf diese Frage würde den Rahmen dieses Essays sprengen. Deshalb verlassen wir diese Fundstätte der "lyrischen Archäologie" und begeben uns wieder zu unserem Thema, dem Sonett; denn wir wissen ja immer noch nicht, was denn nun ein Sonett ist. 

Die Spurensuche führt uns an den sizilianischen Königshof Friedrich des II. Dort gibt es einen il notaio namens Giacomo da Lentino (ca. 1200 - 1250). Eine anonyme Quelle bezeichnet da Lentini als einen "Meister der hohen Minne", ein Hinweis darauf, dass das die lyrischen Wurzeln des Sonetts im bereits erwähnten Minnegesang zu finden sind. Giacomo da Lentino war am Hofe Friedrichs des II. ein Notar. Die Quellen besagen, dass er für die Lehensverträge, aber auch für die Verfassung der königlichen Privilegien zuständig war (Schrott: 393). Vermutlich sind von den 22 überlieferten canzoni, die den Namen da Lentino tragen, etwa 12 mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auf dichterisches Schaffen zurückzuführen. 

Giacomo da Lentino gilt für die Literaturwissenschaft (vergl. Meid 2000: 843) als der Schöpfer dieser äußerst musikalisch anmutenden Form der Dichtkunst. Die daraus entstandene "Sizilianische Dichterschule" setzt sich intensiv mit der Form des Sonetts auseinander und trägt diese Technik des Dichtens in den benachbarten europäischen Sprachraum. Auch Dante Alighieri, Dichter "Der göttlichen Komödie" gehört zu den bedeutenden Vertretern der "Sizilianischen Dichterschule".

Die Liebe ist eine Begierde die im herz entsteht 
durch ein übermaß an glück und seligkeit - 
man könnte sagen dass sie zuerst vom aug ausgeht 
und das herz ihr nahrung gibt in sonderheit 
Ich weiß zwar dass es manchmal auch so geht 
dass man sich blind verliebt für eine zeit 
doch die wahre liebe um die es sich hier dreht 
bedingt eben das element der sichtbarkeit

Denn die augen sehen für das herz 
sie sehen alles - sei es gut nun oder sei es schlecht 
im rechten licht und wie es wirklich ist 
und das herz dabei denkt rückwärts: 
es fühlt`s begehrt`s und pocht dann auf sein recht 
das konterfei zu sehen wie eh ein - nominalist

Giacomo da Lentino

In diesem Sonett von Giacomo da Lentino finden wir bereits die Grundlagen des Sonetts, die bis auf den heutigen Tag, mit geringfügigen Abwandlungen, ihre Gültigkeit bis in die heutige Zeit bewahrt haben. Francesco Petrarca (1304 - 1374) verbreitete in seiner Gedichtesammlung Canzioniere (1370) die Form des Sonetts im damaligen Europa. Die Folge davon war eine Unmenge an Adaptionen dieser lyrischen Ausdrucksweise auf der internationalen Ebene mittelalterlicher Dichtkunst. 

Im deutschsprachigen Raum wurde das Sonett zu Beginn des 17. Jahrhunderts insbesondere durch Martin Opitz (1597 - 1639) eingeführt. In seinem 1624 erschienenen Werk: "Buch der deutschen Poeterey" setzt er sich für die Durchführung einer metrischen Reform ein, bei der Wort- und Versakzent miteinander im Einklang sind. Seine poetischen Reformen haben bis zum heutigen Tag ihre Gültigkeit behalten, so auch das Sonett, dem er eine klare Struktur zugeschrieben hat. Mit seinem ausgeprägten Formbewusstsein für das Sonett hat er viele Liebhaber für diese Dichtkunst gewinnen können.

Das lyrische Formgebilde des Sonetts

Ein Sonett hat immer vierzehn Zeilen. Wobei die Grundform aus zwei Quartetten und zwei Terzetten besteht. In der Regel sollen die einzelnen Zeilen eines Sonetts elfsilbig sein. Am Beispiel des Regenbogen Sonetts von Rose Ausländer werde ich versuchen, die Quartette und Terzette näher, auch im Bezug auf ihre Reimdynamik zu erläutern.

Du legst dein Licht in allen Farben

Du legst dein Licht in allen Farben
um meine weiße Einsamkeit.
Ich fühle sie an meinen Narben
wie Balsam einer leichten Zeit.

Die Rosen starben meinem Leben,
das sich verschloss vor jeder Hand.
Da kommt dein reines, reiches Geben
in mein verschollnes Trauerland.

Du krönst mein Leid mit Sterndemanten,
und Sonnen deiner jungen Glut
entzünden wieder rot mein Blut.

So ist vielleicht das Blühn entstanden:
Von Gott geküßt, im Ding entbrannt,
und von den Engeln Licht genannt

Rose Ausländer (1901-1988)
Der Regenbogen
Sonette

Bei genauer Betrachtung der visuellen Aufteilung der Strophen ist deutlich zu erkennen, dass die beiden ersten Strophen aus jeweils vier Zeilen, den Quartetten bestehen. Die beiden nun folgenden zwei Strophen haben nur drei Zeilen und sind somit die Terzetten.

Quartett

Du legst dein Licht in allen Farben 
um meine weiße Einsamkeit
Ich fühle sie an meinen Narben 
wie Balsam einer leichten Zeit.

Terzett

Du krönst mein Leid mit Sterndemanten, 
und Sonnen deiner jungen Glut 
entzünden wieder rot mein Blut.

Die Frage der Quartett- und der Terzettbildung und ihre Strophenstruktur haben wir nun geklärt. Der nächste Schritt wird etwas schwieriger, aber bei genauer Betrachtung und der dazu gebotenen Konzentration, ist auch diese Hürde durchaus zu nehmen. 

Der Reim im Sonett: Zu Beginn des Sonetts, aber vermutlich auch bis zum heutigen Tage gibt es verschiedene Herangehensweisen an die Anordnung der Reimstruktur. Volker Neid beschreibt die Reimstruktur in den Quartetten alternierend: 

abab abab (Neid: 2000). Am Sonett Rose Ausländers sieht das im ersten Quartett so aus: Farben aus der ersten Zeile korrespondiert mit dem Wort Narben in der dritten Zeile. In der zweiten Zeile korrespondiert der Begriff Einsamkeit mit der vierten Zeile mit der Zeit und schließt somit im ersten Quartett den lyrischen Kreis. 

Bei genauer Betrachtung haben wir es hiermit einem so genannten Kreuzreim zu tun. Ein Reimschema, das sich also immer auf die übernächste Zeile bezieht. Im zweiten Quartett finden wir ebenfalls den so genannten Kreuzreim. Aber im ersten Terzett können wir eine Veränderung der Reimstruktur erkennen, die sich uns als abb abb zeigt:

(a) Sterndemanten 
(b) Glut 
(b) Blut 
(a) entstanden 
(b) entbrannt 
(b) genannt

In diesem Sonettbeispiel bezieht sich also die erste Zeile des ersten Terzetts auf die erste Zeile des zweiten Terzetts, wobei sich die jeweils zweite und dritte Zeile in den Terzetten innerhalb der Strophe reimen. Ein Sonett, das wissen wir jetzt bereits, hat immer vierzehn Zeilen. Die einzelnen Strophen zeigen sich als Quartette und Terzette. Es gibt allerdings auch Sonette, wir haben das im Beispiel des Giacomo da Lentigo bereits gesehen, dass die vierzehn Zeilen nicht in einzelne Strophen visuell aufgeteilt sind. Die Reime haben unterschiedliche Formen, beispielsweise den Kreuzreim, den Paarreim oder den umrahmenden Reim. 

Dass unser Sonett wie wir es bisher kennen gelernt haben, durchaus auch ganz anders dem Leser in Erscheinung treten kann, zeigt uns William Shakespeare:

Die schönsten Wesen, sie solln sich vermehren, 
Damit die Rose Schönheit nie verdorrt. 
Muss auch die Zeit den reifen Mann verheeren. 
In seinem zarten Sprößling lebt er fort. 
Doch du, vom eignen Augenstrahl gebannt, 
Verzehrst dich selber brennend, vor Begier, 
Schaffst Hunger, wo uns Fülle übermannt, 
Dir selber feind und allzu hart zu dir. 
Noch schmückt die Welt dein frischer Jugendschein, 
Du Herold, der uns prallen Lenz verheißt, 
Ins Knospengrab schließt du Erfüllung ein, 
Wenn du so wüst mit deinen Reizen geizt. 

Erbarme dich, dass nicht verschlungen wird 
Vom Grab und dir, was aller Welt gebührt.

William Shakespeare

Shakespeare schrieb seine Sonette in einen visuellen Zeilenblock. Das Reimschema ist deutlich erkennbar. Zunächst finden wir einen Kreuzreim vor. Der dann in den letzten beiden Zeilen zu einem Paarreim reduziert wird. Das englische Spencer- oder Shakespeare Sonett unterscheidet sich vom kontinentalen Sonett nicht nur in der Wahl eines so genannten "harten Reims, sondern auch im Aufbau der Versstruktur, wie wir bei Shakespeares Sonett zweifellos erkennen können, besteht das englische Sonett aus drei Quartinen und einem abschließenden Reimpaar.

(Weiter)

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