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Gestalttherapie am Beispiel des Creative Writing

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Der folgende Text ist ein Vorabdruck eines Buchprojektes des Studienleiters des INKAS Institut für Kreatives Schreiben Rüdiger Heins.

1. Einführung 

2. Das Cluster -Von der Ordnung im Chaos
Die Interaktion der beiden Gehirnhälften 
Das Handwerk des Clustering 
Vom Lösen der Blockaden 
Vom Urknall zum Cluster 
Das Cluster im Textlabor 
Ein Übungsbeispiel

Erinnern - Wiederholen - Durcharbeiten

Ein Rabbi erzählt: "Mein Großvater war lahm. Einmal bat man ihn, eine Geschichte zu erzählen. Da erzählte er, wie der heilige Baalschem beim Beten zu hüpfen und zu tanzen pflegte. Mein Großvater stand von seinem Krankenbett auf und erzählte. Seine Geschichte vom Rabbi Baalschem begeisterte ihn so sehr, dass er hüpfend und tanzend zeigen musste, wie der Meister es gemacht hatte. Von dieser Stunde an war mein Großvater geheilt."

Eines der Ziele des Creative Writing ist das Öffnen der schöpferischen Kanäle, die mit dem Unterbewusstsein verbunden sind. Schreibblockaden korrespondieren in der Regel auch mit Lebensblockaden; und Blockaden versuchen etwas zu "blockieren", das für den Betroffenen schmerzhaft sein könnte. An dieser Stelle taucht die Frage auf: "Wie ist es möglich, Blockaden zu lösen?"

Freud hat in seiner Arbeit: "Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten" ein Konzept entwickelt, das auch für den autobiografischen Schreibprozess eingesetzt werden kann (Werder: 14. 1996).

In seiner Arbeit formuliert Freud das Erinnern als ein einfaches Gestaltungsmoment, bei dem sich der Autobiograf in eine frühere Lebenssituation versetzt. Schreibend teilt er nun die psychischen Vorgänge mit und versucht die damaligen unterbewussten Prozesse in das Jetzt zu transportieren (Freud: Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten 1960: 44). 

Bei der Wiederholung tritt, nach Sigmund Freud, der Autobiograf in ein aktives, aber auch lebhaftes Nacherleben seiner Vergangenheit ein, um durch diesen bewussten Prozess in ein Neuerleben zu gelangen. In diesem Prozess ist der Autobiograf nicht mehr passives Objekt, sondern er wird zum handelnden Selbst, dass durch die Wiederholung eines vergangenen Erlebnisses zum Gestalter seiner inneren Prozesse wird.

Beim Durcharbeiten regt Freud an, unbekannte Widerstände (im Creative Writing sind das die Blockaden) zu vertiefen, sich ihnen zu widmen, ihnen zu begegnen, um die mit Hilfe dieses Prozesses zu überwinden. Lutz von Werder ist im Übrigen der Ansicht, dass die beste Form der Verarbeitung von unbekannten Seiten der Lebensgeschichte eine Umwandlung vom Erlebten in Literatur ist (Werder: 14. 1996). Das physisch und psychisch Erlebte wird so zu einem literarischen Kunstprodukt verarbeitet.

Diese Triade des autobiografischen Schreibens Erinnern - Wiederholen - Durcharbeiten ist die Grundstruktur des Kreativen Schreibens im Bezug auf gestaltenstherapeutische Aspekte (vergl. Werder: 226. 1996).

Erinnern ist ein Hinabsteigen in die verborgenen Archive unseres Gedächtnisses. Das Gedächtnis entspricht im übertragenen Sinne komplizierten Lagerhallen, in denen unsere Erfahrungen, Erlebnisse und Gefühle chronologisch und assoziativ geordnet sind und nach bestimmten Stufungen des Unterbewussten strukturiert sind (Werder: 226. 1996). 

Die Fähigkeit, sich der eigenen Biografie zu erinnern, hängt nicht nur von dem Einsatz kreativer Schreibtechniken ab, sondern ist auch auf die Verarbeitung kindlicher Erinnerungslücken und den damit verbundenen abgespaltenen Schockerlebnissen verbunden. In diesem Zusammenhang ist jeder (wieder) entdeckte Erinnerungsfundus von einer Nachverdrängung bedroht, die durch gestalttherapeutische Schreibtechniken des Creative Writing abgelöst werden kann; denn das geschriebene Wort fixiert Erinnerungen und überlistet somit den eingeübten Verdrängungsmechanismus. 

Autobiografisches Schreiben bedeutet, die schreibende Erhellung der Autobiografie, die auch der Erhellung der Freiheit des individuellen Selbstentwurfs dient (Werder: 33. 1996). 

Gleichzeitig versucht das autobiografische Schreiben aber auch die Einbindung des eigenen Lebens in die generative Lebenswelt, in Gesellschaft und Kultur erfassbar zu machen. Das schließt nicht die Fragen aus: "Wer und warum bin ich und weshalb wurde ich geboren?" Eine autobiografische Schreibreise durch das eigene Leben kann die Erfahrung vermitteln, dass Leben einem "Urbild" der Unzerstörbarkeit verbunden ist (Werder: 33. 1996).

Im Freewriting, aus dem Deutschsprachigen kennen wir diese Schreibübung unter der Überschrift "Ich schreib´s mir von der Seele", hat das Creative Writing eine gestalterische Möglichkeit gefunden, der Seele des Autobiografen freien Raum zu lassen, sodass sie sich im geschützten Kontext des Freewriting entfalten kann.

Freewriting 
Der Autobiograf schreibt seinen Namen in die Mitte eines Blattes. Jetzt versucht er so schnell zu schreiben, wie er nur kann. Alles was ihm in diesem Augenblick einfällt, was in ihm auftaucht, wird um den Namen herumgruppiert. Bei dieser Übung kommt es weder auf Grammatik noch Orthografie an. Es müssen auch keine perfekten Sätze geschrieben werden. Freewriting bedeutet, das aufzuschreiben, was gerade auftaucht. Farrow, der Selbstanalytiker, schreibt in diesem Zusammenhang: "Wer seinen freien Einfällen nachgibt, schreibt sich nicht neurotisch, er schreibt sich gesund." (Farrow: 69. 1984)

Wiederholen. Die Wiederholung im kreativen Schreibprozess beschäftigt sich mit der Wirkung unserer Erlebnisse auf das Bewusstsein. Hierbei werden Erfahrungen und Erlebnisse in einem kognitiven Prozess strukturiert, der einen rituellen Charakter hat und somit emotionale Bereiche berührt. Diese Form des mehr oder weniger bewussten Wiederholens einer Erfahrung soll im Creative Writing entsprechend behutsam und gut angeleitet geschehen (Werder: 14. 1996). Aus diesem Grund wurden bereits von Autobiografendidaktikern verschiedene Techniken aus der Dichtkunst übernommen.

Sigmund Freud versteht das Durcharbeiten als einen unbekannten Widerstand, den es zu vertiefen gilt: "Ihn durchzuarbeiten, ihn zu überwinden." Vermutlich die beste Form die unbekannten Seiten der eigenen Lebensgeschichte ihre vertrauten Widerstände zu entziehen, ist eine Transformation in einen literarischen Text. Der Autobiograf soll sich hierbei kreativer Schreibtechniken bedienen, die den Widerstand gegenüber dem Enthüllenden der Privat- oder Intimsphäre überwindet. Diese Technik nennt Freud übrigens ars poetica. Er beschreibt diese Technik so: Der Autobiograf mildert den Charakter des egoistischen Tagtraums durch Abänderungen und Verhüllungen und besticht uns durch rein formalen d.h. ästhetischen Lustgewinn, den er uns in der Darstellung seiner Phantasie bietet (Freud: 223. 1962)".

Wenn ich schreibe ... 
Wenn ich schreibe, bündeln sich meine Gefühle zu einem Weg, den ich schreibend beschreite. 
Gedanken, die sich verloren hatten, nur vage wahrgenommen wurden, melden sich zu Wort und öffnen neue Möglichkeiten des Bewusstwerdens. Ich erlebe mich beim Schreiben auf eine immer neue Weise und lerne mich selbst von Mal zu Mal ein wenig besser kennen. 
Petra Rauber

Welche Formen des gestalttherapeutischen Schreibens es gibt, im Bereich des autobiografischen Schreibens "heilende Prozesse" einzuleiten, beschreibt das folgende Kapitel.

(Fortsetzung folgt)

Literaturhinweis:
Gabriele L. Rico. Garantiert Schreiben lernen. Reinbeck 2002

Übersichtsseite Kreatives Schreiben

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