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"Vielleicht ist nächste Woche 
wieder alles in Ordnung"

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Das Internet kehrte zwischenzeitlich zum Alltag zurück. In den deutschen Weblogs wird kaum noch über den Terroranschlag geschrieben. Die Surftagebücher sind jedoch wichtig, um den Schrecken zu begreifen. 

Von Sabrina Ortmann

«Aus Langeweile habe ich schon die 7 Level der Demo von Pontifex alias Bridge Builder 2 durchgespielt», schreibt Tim Tepaße am 4. Oktober in seinem Weblog «blackshirt.de». In vielen Surftagebüchern, den so genannten Weblogs, ist der Alltag zurück gekehrt. Nach ausführlichen Betroffenheitsbekundigungen findet sich kaum mehr ein Wort über die Terroranschläge in New York und Washington. 

Am 11. September stellte auch Tim Tepaße ein Foto vom einstürzenden WTC ins Netz. Er war «einfach nur geschockt». Am nächsten Tag verbot er sich jedoch, die Site von CNN anzusurfen. Stattdessen suchte der Informatik-Student Ablenkung: «Ich gehe heut abend auch ins Kino, eine deutsche Komödie. Muss sein.» 

Tim Tepaße hatte nicht die Absicht, aus seinem Weblog eine Informationsquelle für die Nutzer zu machen. Im Gegenteil, er bemühte sich bereits wenige Tage nach den Anschlägen, wieder zum normalen Weblog-Alltag zurück zu kehren. Und am 11. September hätte ohnehin jeder auf die etablierten Nachrichtenquellen zurück gegriffen. «Was hätte ich da Neues sagen können?», fragt der 21-Jährige.

Anders reagierte das «KriT-Journal». Hier führten die Terroranschläge in New York zur Programmänderung. Bis zum 11. September stellte Ralph Segert in seinem Weblog mehrmals in der Woche schöne und nützliche Websites vor und kommentierte das Weltgeschehen, mal freundlich, mal ungehalten. Nach dem 11. September entschied sich der freiberufliche Webdesigner, aus seinem Weblog ein rein politisches Magazin zu machen.

Seitdem sammelt er Links über Kriege, Verletzungen von Menschen- und Bürgerrechten sowie Hilfsaktionen. In einer eigenen Rubrik präsentiert Ralph Segert seit dem 14. September Links, die, wie er sagt, «helfen, mit dem Terrorakt gegen die USA umzugehen und über die globalen Folgen und politisches Handeln nachzudenken». Die Arbeit im Netz hilft aber auch den Betreibern der Weblogs dabei, mit den Ereignissen umzugehen.

«Ich kann so meine Empörung und die gelegentliche Ohnmacht kompensieren», meint Ralph Segert zu seinem neuen Weblog-Schwerpunkt. Mit dem KriT-Journal verbinde er die Hoffnung, Hintergrundwissen zu verbreiten, damit Meinungen differenzierter werden können, sagt Segert.

«Die tägliche Ration Wahnsinn», der Untertitel des Weblogs «Schockwellenreiter», bekam mit den Terroranschlägen ungewollt eine neue Bedeutung. Jörg Kantel, Leiter der EDV-Abteilung eines Max-Planck-Institutes, sparte sich am 11. September ausführliche Kommentare: «Nein, von hier nichts über die verbrecherischen Anschläge» schrieb er unter das Foto vom rauchverhüllten Manhattan, warnte jedoch vor «vorschnellen Verurteilungen und Racheschreien». Knapp zwei Wochen nach den Anschlägen publizierte Jörg Kantel im «Schockwellenreiter» die Mini-Serie «Das ist Krieg. Schon vergessen?».

Eine wichtige Funktion erfüllte das ebenfalls von Kantel initiierten Weblog «Rollberg-News»: «Vor dem 11. September war der Rollberg einfach eine Sammlung von Nachrichten, die mich persönlich interessierten». Am 11. September stellte Kantel fest, dass die üblichen Informations-Server wegen Überlastung zusammen gebrochen waren. «Da habe ich spontan Sonderberichte zusammen gestellt und in den Rollberg gesetzt», berichtet er.

Auch Peter Praschl versuchte mit seinem Weblog das Unfassbare zu begreifen. «Sprache und Vernunft versagen entsetzlich vor dem Massenmord in New York», meint der Journalist. Dennoch erzählt er in seinem Weblog «Sofa Blogger» ausführlich, wie die Nachricht vom Einsturz des WTC ihn im Liegestuhl am Strand von Djerba überraschte.

«Vielleicht deswegen, um gegen die Illusion zu kämpfen, man könnte den Schrecken mit Sprache und Vernunft bändigen», versucht er seine seitenlangen Reflexionen zu rechtfertigen. Und lässt seine Leser miterleben, wie er sich durch die Fernsehsender zappte, auf der Suche nach Informationen und einer Erklärung. «Es gab keinen Anfang, nur immerzu Endlosschleifen», schreibt Praschl.

«Einen Anfang fand ich erst in den Bildern der Menschen, die in die Tiefe sprangen. 300 Meter in die Tiefe springen, um nicht sterben zu müssen, war ein Maß für Verzweiflung. Alles andere war maßlos.» Peter Praschls Lieblingssatz der letzten Wochen stammt von der Schauspielerin Guilia Siegel: «Vielleicht ist nächste Woche alles wieder in Ordnung. Vielleicht entschuldigt sich jemand.»

Urheberrechtlicher Hinweis: Copyright Sabrina Ortmann 2001. Jegliche Veröffentlichung - komplett oder auszugsweise - ist honorarpflichtig und bedarf der schriftlichen Genehmigung.

  


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