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Foto © Erik-Jan Ouwerkerk

Ingo Schramm, Foto von Erik-Jan Ouwerkerk

Interview mit dem Berliner Autor Ingo Schramm


Seit wann sind Sie mit Ihrer Homepage www.ingoschramm.de im WWW vertreten und was können Ihre Leser dort finden?

Ich habe die Homepage im Herbst 1998 eingerichtet. Hauptsächlich finden sich hier Texte, die bereits gedruckt oder öffentlich vorgetragen wurden. Dazu gehören auch Leseproben aus meinen bisher erschienenen Romanen. Es gibt außerdem schon jetzt einiges zu meinem neuen Roman "Die Unentschie- denen", der im Herbst erscheinen wird. Die Leser finden u.a. eine FAQ-Liste, Links zu Hintergrundinformationen im Internet, Sites, auf denen ich selbst recherchiert habe. Außerdem gibt es Notizen zum Entstehungsprozess. Das interessiert die Leute immer sehr, wie man als Autor arbeitet. Bei den meisten Schriftstellern muss man auf solche Informationen warten, bis ein Literaturwissenschaftler sie zusammenträgt und veröffentlicht, was oft viele Jahre dauert und in der Regel den Tod des Autors voraussetzt. Bei mir kann man das im WWW aus erster Hand haben. Wer mit dem Gedanken spielt, sich das Buch zu kaufen, findet auf meiner Homepage auch längere Textproben, um sich ein Bild von dem Roman zu machen.

Gestalten Sie Ihre Web-Site selbst oder in Zusammenarbeit mit Ihrem Verlag?

Ich gestalte meine Homepage selbst, habe die Ressourcen verfügbar gemacht und erstelle auch den HTML-Text allein. Mein Verlag hat damit nichts zu tun, freut sich aber über meine Aktivitäten. Ich habe einige Texte online - die Leseproben aus Romanen -, deren Rechte beim Verlag liegen. Ich musste eine Genehmigung einholen, damit ich diese Texte dort anbieten kann. Da das natürlich auch einen gewissen Werbeeffekt hat, habe ich die Genehmigung ohne Probleme bekommen.

Warum gibt es keine Bestellmöglichkeit auf Ihrer Homepage?

Es wäre kein Problem, einen Link zu irgend jemandem zu setzen, etwa zu txt, auf deren Server ich meine Homepage liegen habe. Aber ich wollte die Site nicht zu sehr kommerzialisieren. Meinen Netzauftritt verstehe ich nicht in erster Linie als verkaufsfördernde Maßnahme, sondern als Service für meine Leser. Das ist der Hauptgrund, warum ich diese Website mache. Wer etwas von mir kaufen möchte, braucht dazu nicht das Internet, er kann auch in seine Buchhandlung gehen. Ich nutze das WWW dazu, Texte und Informationen anzubieten, die auf anderem Weg nicht zu bekommen sind. Das unentgeltlich zu tun gehört für mich einfach dazu.

Sie wollen also ganz bewusst kein Geld für die Texte im Netz nehmen?

Nein, vorerst nicht. Wenn eine realistische Möglichkeit bestünde, über das Internet Literatur zu vertreiben und dabei Geld zu verdienen, dann würde ich darüber nachdenken. Eine solche kann ich zur Zeit aber nicht erkennen.

Welche Gründe gab es für die Erstellung Ihrer HP?

Service für die Leser, zusätzliche Texte und Informationen anbieten. Außerdem habe ich noch eine Meinungsseite, auf der ich ungefiltert meine Ansichten zu literarischen Themen oder zu aktuellen Geschehnissen darstellen kann, ohne durch eine Redaktion in irgendeiner Weise inhaltlich beeinflusst zu werden.

Sehen Sie denn auch einen Werbeaspekt in der Site?

Selbstverständlich hat die Site auch eine Werbefunktion. Ich glaube allerdings nicht, dass Werbung im Internet so platt funktionieren kann wie viele sich das denken - mit irgendwelchen Bannern. Da werden einfach gedruckte Zeitungsanzeigen imitiert. Ich selbst schaue mir Zeitungsanzeigen schon gar nicht mehr an, blättere einfach weiter. Ebenso verfahre ich mit den Bannern. Ich filtere im Netz auf einen Blick, was Werbung ist und was Information. Dafür brauche ich keinen Werbeblocker. Der Weg für Werbung im Netz kann nur der sein, dass man versucht, über das Übliche hinaus Angebote zu machen, die von den Lesern zuerst einmal als Freundlichkeit honoriert werden. Es müssen meiner Meinung nach vor allem zusätzliche und freie Informationen geboten werden, die den Surfer interessieren. Wenn man Service für seine Leser bietet, dann wird das durch Anerkennung honoriert. Der Status dessen, der sich Service für andere leistet, der steigt, denke ich. In Deutschland wird Service leider nicht so wichtig genommen. Die Bedeutung einer gewissen Freundlichkeit gegenüber den Leuten, mit denen man umgeht, wird oft nicht gesehen. Die Leser sind für mich das Wichtigste überhaupt, sie sind meine Partner. Der ganze Sinn meiner Tätigkeit besteht in der Kommunikation mit ihnen. Literatur ist Kommunikation. Insofern ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, dass ich einigermaßen frei zugänglich Informationen anbiete.

Wie ist denn das Feedback der Leser auf die Site?

Das Feedback ist in erster Linie sehr positiv. Oft bekomme ich E-Mails von Leuten, die Nachfragen haben, sich also inhaltlich für die Seiten interessieren. Ich antworte möglichst auf jede Zuschrift, verschicke keine automatischen Antworten, sondern setzte mich mit dem auseinander, was die Leute mir schreiben. Das Feedback der Leser ist für mich persönlich sehr wichtig. Das ist so ähnlich wie bei Lesungen. Was dort wirklich etwas für mich bringt, das sind die anschließenden Diskussionen. Nach der Performance mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen, finde ich immer wieder sehr interessant. Man hat Kontakt zu den Menschen, erfährt, wie sie die Texte, die man schreibt, aufnehmen und interpretieren, was sie denken, man findet Punkte, die vielleicht missverständlich geraten sind.

Hat die Web-Site Ihnen auch berufliche Vorteile oder Kontakte gebracht?

Was sich ergeben hat sind zum einen Lesungen und zum anderen Kontakte vor allem im universitären Bereich, da das Internet dort traditionell stark genutzt wird. Zum Beispiel melden sich Studenten, die Texte von mir in einem Seminar behandeln und eine Frage haben. Manchmal werde ich auch zu einem Seminar eingeladen.

Hilft eine eigene Website Autoren bekannter zu werden?

Ein unbekannter Autor, der noch nichts veröffentlicht hat, im regulären Betrieb noch nicht etabliert ist und versucht, über das Internet auf seine Texte aufmerksam zu machen, hat meiner Meinung nach nur geringe Chancen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Lektoren oder Journalisten sich die Seiten anschauen. Ob die Literaturagenturen irgendwann auf die Idee kommen, sich im Netz umzutun, weiss ich nicht. Derzeit tun sie es jedenfalls nicht. Ich glaube, dass es nahezu unmöglich ist, allein über das Internet auf sich aufmerksam zu machen. Die Situation ist doch eher so, dass man vielmehr jenseits des Internets für seine Web-Site Werbung machen muss, damit dort überhaupt jemand hinkommt. Den Traum, über das angeblich so freie und offene Internet rasch zu Weltruhm zu gelangen, habe ich anfangs vielleicht auch geträumt, aber das hat sich dann ganz fix zerschlagen.

Wie viel Zeit verbringen Sie mit der Pflege der Seiten?

Pro Woche etwa einen Nachmittag. In dieser Zeit schreibe ich auch die wöchentlichen Texte für die Meinungsseiten, die ich exklusiv für das Netz verfasse. Das ist so eine Art persönliches Feuilleton.

Planen Sie eine Veröffentlichung der Meinungs-Texte?

Na ja, sie sind ja auf der Web-Site veröffentlicht. Jenseits dessen plane ich nichts. Die Texte schreibe ich exklusiv für die Web-Site, sie haben dort ihren Platz, sind auch vom Format her so, dass sie internetgerechte Häppchen darstellen. Mir geht es in dieser Rubrik darum, frei und ohne die Einflussnahme anderer meine Meinung sagen zu können. Diese Freiheit will ich mir erhalten. Ich will nicht schon unter dem Druck schreiben, damit auf den Buchmarkt gehen zu wollen, der seine eigenen, beschränkenden Gesetze hat.

Sie haben einen extra Hinweis auf das Urheberrecht auf jeder Seite. Hatten Sie damit Probleme?

Nein, das habe ich prophylaktisch gemacht. Eigentlich bräuchte ich derlei nicht extra betonen, die Situation ist rein rechtlich sehr klar. Die Texte wären auch ohne den Hinweis urheberrechtlich geschützt. Das Urheberrecht ist ein sehr starkes Recht. Im Prinzip sind die Texte bis 70 Jahre über meinen Tod hinaus geschützt, daran können nur Verträge etwas ändern. Ich möchte mit diesem Hinweis einfach eventuellem Missbrauch vorbeugen. Die meisten Texte meiner Homepage sind schon an anderer Stelle veröffentlicht, was im Fall der Fälle die Beweislage verbessert. Rein theoretisch besteht natürlich die Gefahr, dass jemand sich einen Text von mir abspeichert und unter seinem Namen veröffentlicht. Ich glaube aber nicht, dass jemand das wirklich tut. Wenn ich dergleichen bemerken würde, wäre ich natürlich echt sauer und würde dagegen vorgehen. Das Urheberrecht ist diesbezüglich völlig unanfechtbar, da kann keiner dran drehen. Eine realistischere Gefahr besteht eventuell darin, dass jemand Texte von mir unter meinem Namen in irgendeiner Zeitschrift, auf seiner Website oder auf einer CD-ROM veröffentlicht, und damit Geld zu verdienen versucht - wozu ihm erst einmal alles Glück der Welt zu wünschen wäre. In dem Fall würde ich allerdings von dem Geld was abhaben wollen. Diese Gefahr ist natürlich bei gedruckten Publikationen ebenso gegeben, auch wenn der Missbrauch hier mehr technischen Aufwand erfordert. Auf der anderen Seite trete ich einen Teil meines Copyrights an die Leser ab, wenn ich ausdrücklich erlaube, dass sie die Texte privat abspeichern und unentgeltlich unter Nennung des Autorennamens weitergeben dürfen. Die Sachen sind rein rechtlich jedenfalls auch im Netz wasserdicht geschützt. Das Problem ist die Überprüfung dieses Schutzes, das heisst, wie man eventuellen Verstößen auf die Schliche kommen kann.

Könnten Sie sich vorstellen, in Zukunft kleine Beträge für die Downloads zu kassieren, wenn es die technischen Möglichkeiten gibt?

Davon sind wir noch weit entfernt, wenigstens wir hier in Deutschland, die wir nicht Stephen King heißen. Das rein Technische des Zahlungsverkehrs ist dabei nur die eine Sache. Die andere ist die, ob es überhaupt einen Markt gibt. Da sehe ich zur Zeit nichts. Das Ganze wäre ohnehin wohl nur für kleinere Texte sinnvoll, zum Beispiel für kürzere Erzählungen. Derlei kann man aber auch ruhig mal umsonst abgeben. Es muss nicht für alles Geld genommen werden. Guter Service für die Leser spielt am Ende vielleicht mehr Geld ein, als Pfennigfuchserei. Und dass man Romane in elektronischer Form verkauft, kann ich mir zur Zeit einfach nicht vorstellen. Ich glaube nicht, dass der durchschnittliche Buchleser in Deutschland sich demnächst mit einem e-book in die Ecke setzten wird, um einen Roman zu lesen. Die Leser von ernsthafter Literatur sind in der Regel doch eher konservativ eingestellt, gerade was Technik betrifft. Auch andere Sachen spielen eine Rolle, zum Beispiel das sinnliche Erlebnis des Buches, die ästhetische Qualität, die das Leseerlebnis als solches hat. Eine weitere Frage ist die der Kompatibilität, darin ist das Buch unschlagbar. Es ist über Hunderte von Jahren zu hundert Prozent kompatibel, während eine PDF-Datei von heute nach spätestens fünf Jahren von keinem Gerät mehr gelesen werden kann. Die Formate ändern sich pausenlos, die Herstellerfirmen befinden sich in einem endlosen Krieg, versuchen, ein Format gegen das andere auszuspielen und blockieren damit ihren eigenen Markt. Nicht mal bei HTML können sie sich einigen, wo es schon so etwas wie eine öffentliche Festlegung gibt, zumindest eine mit Empfehlungsstatus. Sinn macht das e-book bei wissenschaftlichen Publikationen wie z.B. Computerliteratur, die sehr schnell veraltet. Für schöngeistige Literatur, die doch zumindest dem Anspruch nach auf Dauer geschrieben wird, ist das derzeit Tinnef.


Dieses Interview führte Sabrina Ortmann im März 2000. 

Nachdruck und Vervielfältigung - auch auf elektronischem Wege - ist nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin erlaubt.


  


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