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Die Redaktion des Berliner Zimmers präsentiert an dieser Stelle aktuelle Sudeleien aus Jan Ulrich Haseckes Sudelbuch.

Wolfs- wird Golfsburg

Hat man in Deutschland eigentlich ohne Sponsor überhaupt noch ein Aufenthaltsrecht?

Wolfsburg heißt ab August Golfsburg. Eine Stadt als kollektive Plakattafel für einen Autokonzern, der im August den neuen Golf einführt. Jürgen W. Möllemann, aus dessen Kopf diese Idee entsprungen zu sein scheint, musste damals den Hut nehmen, als er einflussreichen Leuten auf seinem Ministerbriefbogen die Einkaufswagen-Chips seines Schwagers empfahl. Der Oberbürgermeister von Wolfsburg, ein gewisser Rolf Schnellecke, wird ab August gleich seinen ganzen Briefbogen zugunsten der Volkswagen AG austauschen und als Sandwichman des globalen Autokonzerns unterschreiben.

Angesichts leerer Kassen ist der Stolz der Bürger auf ihre Stadt allerortens auf ein Niveau gesunken, das selbst in Afrika oder einem Bananenstaat der Karibik Mitleid erregen würde. So kickt der einst renommierte Fußballclub einer norddeutschen Kleinstadt seit einiger Zeit in einer AOL-Arena. Leverkusen, das ohne Bayer vielleicht ein schöner Vorort von Köln geworden wäre, ist in einer ähnlichen Lage wie Wolfsburg, das ohne VW wahrscheinlich bloß auf einem Messtischblatt Erwähnung finden würde. Aber Leverkusen hätte sich nie Lipobaykusen genannt!

Angesichts dieser Tristesse muss man der Kröver Bürgerschaft sogar ein Kompliment für gelebte Satire machen. Die neue Mehrzweckhalle für Sturmtrinker aus Deutschland und dem geschmacklosen Ausland trägt nämlich den einladenden Namen »Nacktarschhalle«. Man sieht bei diesem Namen förmlich den Spießbürger Arm in Arm mit japanischen Touristen und heruntergelassener Hose auf den Tischen tanzen.

Doch Golfsburg setzt Zeichen. Während sich in Nordrhein-Westfalen die Politiker nicht wirklich damit herumplagen, dass sämtliche Müllverbrennungsanlagen bisher nichts anderes als Steuergelder verbrannt haben und ohne korrupte Politiker nie in dieser Form gebaut worden wären, hat man sich in Wolfsburg entschieden, sich auf seine Kernkompetenz als Plakatwand zu besinnen, die ihre plakative Leere jedem anbietet, der genug zahlen kann. Ein Korruptionsverdacht kann da erst gar nicht aufkommen, hat man die Fernsehkameras zu diesem Schauspiel doch bereits eingeladen.

So manche Stadt dürfte da neidisch werden, denn nicht jeder Städtenamen eignet sich als Werbeträger für einen zahlungskräftigen Global Player. Bielefeld könnte sich zwar Mielefeld nennen, doch leider existiert bekanntlich weder die Stadt, noch gibt es in ihr ein Werk des weltbekannten Waschmaschinenherstellers. Das einsilbige Köln wäre zwar schnell und problemlos in Ka umbenannt, doch wer würde schon gerne ein Kalsch trinken? München könnte sich in Anlehnung an Microsoft Weichchen nennen, hätte der Stadtrat nicht soeben in seinem unbeugbaren Bürgerstolz beschlossen, dieses Werbeplakat abzubauen.

Da jedoch nicht nur die Städte auf jede Mark angewiesen sind, die ihnen ein Großkonzern für einen kleinen Liebesdienst gerne in die Taschen steckt, sondern auch Hans Eichel dringend nach neuen Einnahmequellen Ausschau hält, sollte man das Projekt gleich ganz groß aufziehen. Warum sollte Deutschland nicht mit den hiesigen Großkonzernen einen langfristigen Werbevertrag abschließen und sich in Daimlerrepublik Siemensland umbenennen? Auch wenn die erwähnten Firmen dem Ohr des jeweiligen Kanzlers näher sind als der Wähler: das geht nicht! Schließlich werben viele Firmen im Ausland immer noch mit dem Spruch »Made in Germany«.

Das scheint mir auch der wesentliche Unterschied zwischen Solingen, der Metropole im Bergischen Land, und dem Marktflecken Wolfsburg zu sein. In Solingen werben die ortsansässigen Firmen für sich mit dem Namenszug der Stadt im Firmennamen und nicht umgekehrt. Ein echter Werbeträger ändert für gewöhnlich eben nicht seinen Namen, weil es ja dieser Name ist, der wertvoll ist und den die Firmen kaufen wollen, sonst hieße Thomas Gottschalk ja inzwischen längst Thomas Goldbär.

Bleibt zu hoffen, dass sich Wolfsburg diese Peinlichkeit wenigstens vom Konzern hat vergolden lassen. Oder macht man es in Wolfsburg etwa schon umsonst? Will man vielleicht sogar als Stadt ohne Gesicht vom klingenden Namen des weltweiten Verkaufsschlagers Golf profitieren? Fragen über Fragen, die es allesamt nicht wert sind, beantwortet zu werden, denn Wolfsburg ist, wie die Tourismus-Gesellschaft schreibt, »in Deutschland neben Salzgitter-Lebenstedt die einzige Stadt, die im 20. Jahrhundert planmäßig gegründet und ausgebaut wurde. (...) Zum ersten und einzigen Mal in der Geschichte wurde eine Großstadt geplant und gegründet, allein um den Beschäftigten eines neuen, riesigen Automobilwerks eine neue Heimat zu geben.« Wolfsburg ist also immer schon Golfsburg gewesen.

Solingen, den 17. Juli 2003

© Jan Ulrich Hasecke (Alle Rechte vorbehalten.)

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