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 "Das literarisch interessante Buch 
ist ein Produkt, auf das 
der Markt nicht gewartet hat"

Mone Hartman im Gespräch mit Roman Graf

Roman Graf (geb. 1978 in Winterthur, CH) gehört zu den vielversprechenden Talenten der jungen deutschsprachigen Literatur; er veröffentlicht Lyrik und Prosa in zahlreichen Literaturzeitschriften und Anthologien in Deutschland, Österreich, der Schweiz sowie in englischer Übersetzung in England, und hat sich bereits einige öffentliche Auszeichnungen erschrieben. 

Ab Oktober 2003 wird Roman Graf seinen derzeitigen Wohnort am Zürichsee verlassen und nach Leipzig gehen, um dort am Deutschen Literaturinstitut zu studieren. Mone Hartmann hat mit ihm für das Berliner Zimmer gesprochen.

Berliner Zimmer: Du gehörst zu den jungen Vertretern der deutschsprachigen Literatur und hast Dir als Schriftsteller bereits zahlreiche positive Resonanzen erarbeitet; nun stehst Du vor einem sicherlich wichtigen Wendepunkt: In Kürze wirst Du Deine Heimat, die Schweiz, verlassen, um in Leipzig am dortigen "Deutschen Literaturinstitut" zu studieren. Kannst Du den Besuchern des Berliner Zimmers ganz kurz schildern, welchen "Bewerbungsweg" Du hinter Dir hast? - Was sind die Voraussetzungen für ein Studium am DLL? - Welche Ausbildungsinhalte erwarten Dich?

Roman Graf: Ich musste literarische Arbeiten einreichen und wurde dann zu einem Aufnahmegespräch eingeladen. Detaillierte Infos auch zu den literaturtheoretischen und -praktischen Ausbildungsinhalten gibt es auf http://www.uni-leipzig.de/dll .

"... man muss realistisch bleiben..."

Berliner Zimmer: Du bist offenkundig nicht dumm genug, um ernsthaft glauben zu können, ein solches Studium brächte quasi einen "fertigen" Schriftsteller hervor; Welche Hoffnungen setzt Du persönlich in diese Ausbildung?

Roman Graf: Bücher schreiben kann man ja bis ins hohe Alter. Da ist es nicht falsch, wenn man sich zu Beginn ein wenig Zeit nimmt und sich mit dem Schreiben auseinandersetzt. Das Literaturinstitut in Leipzig ist der ideale Ort dazu. Ich werde profitieren können, aber man muss auch realistisch bleiben und darf keine Wunder erwarten. Eine Ausbildung - gerade in einem künstlerischen Bereich - kann höchstens eine gute Grundlage sein, auf der man dann aber aufbauen muss. Es liegt an einem selbst, was man daraus macht.

Berliner Zimmer: Welche Fähigkeiten möchtest Du dort (weiter-)entwickeln?

Roman Graf: Ich möchte Zeit haben, mich mit fremden und eigenen Texten auseinandersetzen zu können. Dadurch kann man seinen eigenen Stil verdeutlichen; ich erhoffe mir aber auch sehr viel vom Austausch mit anderen Studierenden und den Dozentinnen und Dozenten.

Berliner Zimmer: Welche Vorteile kann Dir das Studium am DLL Deiner Meinung nach bringen- mal abgesehen von Deinen "skills": Glaubst Du, dass sich gewisse Türen des Literaturbetriebs schneller/einfacher öffnen lassen?

Roman Graf: Natürlich lassen sich ganz viele Türen viel schneller öffnen. Aber man darf das nicht überschätzen - letztendlich bleibt alles am Text hängen. Wenn der Text schlecht ist, dann fliegt man auch gleich wieder zur offenen Tür hinaus.

"Wer gute Texte schreibt, der braucht sich keine Sorgen zu machen"

Berliner Zimmer: Wie wichtig ist es Dir, mit der Schriftstellerei auch Deinen Lebensunterhalt verdienen zu können? Würdest Du eher Deinem "eigenen Kopf" den Vorrang geben und notfalls Taxi fahren, um ein Schreiben in größtmöglicher Freiheit zu ermöglichen? Oder würdest Du gewisse Kompromisse bzgl. Deiner Literatur eingehen, wenn Du Dir durch diese Anpassung den Lebensunterhalt erschreiben könntest?

Roman Graf: Ich war Redakteur bei einer Wochenzeitung und ich habe diese Stelle aufgegeben, damit ich mich besser auf meine literarische Arbeit konzentrieren kann. Zur Zeit arbeite ich für Umweltschutz- bzw. Kinderhilfsorganisationen auf der Straße, ich versuche, neue Mitglieder zu gewinnen. Das ist ein Studentenjob. Es gäbe viele Möglichkeiten, mit dem Schreiben nicht schlecht zu verdienen, sei das im Journalismus oder als Werbetexter. Natürlich kann man auch Krimis oder Unterhaltungsromane schreiben. Ich denke, wer literarisch schreibt mit einem gewissen Anspruch, der schreibt automatisch auch für ein Nischenpublikum und kann also nicht mit hohen Verkaufszahlen rechnen. Diesbezüglich gibt es aber auch eine scheinheilige Verlogenheit: Wenn jemand etwas veröffentlicht, dann möchte er auch, dass es gelesen wird - sonst würde er es nicht veröffentlichen. Ergo: Jeder - wenn wir ehrlich sind - ist froh, wenn er viele Bücher verkauft. Das heißt aber nicht, dass er sich beim Schreiben anpassen muss. Auch wenn ich mich über viele Leserinnen und Leser freue, ich würde mich nie anpassen. Das hört sich nach einem Widerspruch an, ist es aber nicht: Kunst ist zwar auch Ware, verschiedene Leute verdienen ihr Geld damit, doch Kunst funktioniert im Markt ganz anders als andere Produkte: Diese kann man ganz gezielt lancieren, um eine bestimmte Zielgruppe anzusprechen. Ein Buch kennt aber keine Zielgruppe; das literarisch interessante Buch ist ein Produkt, auf das der Markt nicht gewartet hat. Im Gegenteil: Es wird in den Markt geworfen und von den Leuten entdeckt; es schafft sich seine Marktlücke selbst. Das erklärt auch, warum beispielsweise Bücher wie "Schlafes Bruder" von Robert Schneider große Erfolge wurden - obwohl sie vorher von 23 Verlagen abgelehnt worden waren. Letztendlich kann die Autorin oder der Autor also nur eines tun: schreiben. Der Rest wird sich zeigen. Gute Literatur ist haltbar, das heißt, man wird sie nicht vergessen. Vielleicht ein paar Jahrzehnte lang, aber dann taucht das Buch wieder auf und es wird auch wieder gelesen. Kurz gesagt: Wer gute Texte schreibt, der braucht sich keine Sorgen zu machen. Um aber deine Frage noch zu beantworten: Ich finde Taxi fahren einen prima Job.

"Leipzig... ein guter Ort, um schreiben zu können..."

Berliner Zimmer: Du verlässt Deine Heimat, um eine Weile "in der Fremde" zu leben und zu arbeiten/studieren (wie bereits ‚früher' / Sprachaufenthalte im Ausland). Kennst Du Leipzig bereits näher, wenn ja: Gefällt Dir die Stadt?

Roman Graf: Ich war bis jetzt drei Mal für ein paar Tage dort. Ich finde Leipzig eine der schönsten deutschen Städte, die ich kenne (zugegeben: Es sind wenige). Einerseits mag ich die Übersichtlichkeit des Stadtkerns, andererseits finde ich Leipzig sehr spannend, weil die Stadt im Umbruch ist: Da steht noch eine Ruine aus der DDR-Zeit und fünf Meter nebenan das modernste Haus. Das gibt eine Spannung; das ist ein guter Ort, um schreiben zu können.

Berliner Zimmer: Hat Dich bei Deiner Entscheidung auch beeinflusst, dass das Studium in Leipzig stattfindet, oder würdest Du dafür Dein Leben an jeden beliebigen anderen Ort verlagern?

Roman Graf: Das kann ich nicht sagen. Es käme ganz darauf an, welcher Ort das dann wäre. Leipzig finde ich schon ziemlich gut; die Leute sind auch sehr nett. Und es gibt dort feines Gebäck und die Wohnungen sind noch schön groß. Aber den Zürichsee werde ich vermissen.

Berliner Zimmer: In der Schweiz hast Du, gemeinsam mit anderen jungen Schriftstellern, die "Gruppe 02" gegründet; diese will, im Leben wie im Virtuellen, eine Plattform bieten auch bzw. vor allem für solche Literatur, die sich außerhalb der gängigen Pop- und Spaßliteratur entwickelt; die NZZ hat Dich u.a. als "Vertreter einer neuen Ernsthaftigkeit" in der jungen Literatur bezeichnet. Nun helfen derartige ‚Schubladisierungen' ja in erster Linie dabei, Literatur zu be-schreiben, zu erfassen, abzugrenzen, darzustellen; gerecht wird man so dem Autor nicht. Wenn Du eine literarische Schublade bauen solltest, in die Du bestmöglich hineinpasst: Wie sähe diese Schublade aus? Mit Blick auf die Lesenden: Was böte sich ihnen beim Öffnen dieser Schublade?

Roman Graf: Die Schublade wäre leer. Sie könnte sich dann mit der Phantasie der Lesenden füllen - darum geht es schließlich in der Literatur.

"... die reale Welt... wird bedeutungslos..."

Berliner Zimmer: Der Schriftsteller Roman Graf bei der Arbeit: Wie dürfen sich die Besucher des Berliner Zimmers den werkschaffenden Roman vorstellen? Ketterauchend, nächtens zwischen zerknüddelten Papierblättern, Tinte an den Fingern? Oder ‚aufgeräumt', tagsüber am ordentlichen Schreibtisch sitzend, in die Tasten des Notebooks klimpernd? Arbeitest Du, ähnlich wie seinerzeit Thomas Mann, zu bestimmten, vorher festgelegten Tageszeiten, oder lässt Du Dich ganz ungeregelt von Deinen Einfällen und Impulsen an die Arbeit treiben?

Roman Graf: Ich schreibe nur am Computer; mein Schreibtisch ist ein Chaos. Wenn ich an einem längeren Text arbeite, dann muss ich mich isolieren, niemanden sehen, dann lebe ich ganz im Text, in der Gegenwelt sozusagen. Die reale Welt interessiert mich dann nicht mehr, sie wird bedeutungslos.

Berliner Zimmer: Deine Website präsentiert eine Auswahl Deiner Texte sowie Informationen über Dich selbst, anstehende Lesungen, etc.; hier würde ich sprechen von "Literatur IM Netz". Gab oder gibt es bei Dir auch Bestrebungen in Richtung "Netzliteratur", um es mal kurz zu fassen? Also ein Spiel etwa mit den multimedialen Möglichkeiten? Was hältst Du selbst von dieser Art von Literatur?

Roman Graf: Ich finde das vollkommen in Ordnung, obwohl ich selber eigentlich nichts damit zu tun habe. Im Moment entsteht viel Neues wie Poetry Slam oder Sound'n'Poetry, und das ist sehr interessant. Aber man kann nicht einfach alles in den gleichen Topf schmeißen, sondern muss differenzieren: Es gibt Literatur, die gelesen und Literatur, die vorgelesen werden muss. Das ist ein riesiger Unterschied und gerade bei Veranstaltungen sollte darauf geachtet werden. Ich selber schreibe Literatur, die man in einem Buch lesen muss, Kurzgeschichten, Gedichte, Romane. Netzliteratur funktioniert wieder ganz anders.

Berliner Zimmer: Der Schriftsteller Roman Graf als Leser - welche Lektüre bevorzugst Du selbst? Hast Du ‚Lieblingsschriftsteller' bzw. Vorbilder?

Roman Graf: Ich würde nicht von Lieblingsschriftstellern sprechen, sondern von Lieblingsbüchern: "Der Schaum der Tage" von Boris Vian, "Malina" von Ingeborg Bachmann, "Holzfällen" von Thomas Bernhard, "So ist es gewesen" von Natalia Ginzburg" oder "Agnes" von Peter Stamm, um nur einige zu nennen. Aber auch Max Frisch ist immer wieder spannend, etwa "Stiller", und dann möchte ich gerne nochmals "Paris-Rom oder Die Modifikation" von Michel Butor lesen. Ein Geheimtipp ist übrigens auch "Das schneeverbrannte Dorf" von Sibylle Schleicher.

"... nicht zu viel surfen... "

Berliner Zimmer: Gibt es im Netz Literatur-Seiten, die Du immer wieder gern besuchst und die Du den Berliner-Zimmer LeserInnen als "Surftipps" ans Herz legen möchtest?

Roman Graf: Nun, Autorinnen und Autoren möchte ich ans Herz legen, was das Berliner Zimmer vielleicht nicht gerne hört: Nicht zu viel surfen. Sich die wichtigsten Seiten merken, wie etwa www.uschtrin.de, und diese regelmäßig besuchen. Das Rest ist Lesen und Schreiben, immer wieder, immer wieder, immer wieder, bis es besser geht.

Berliner Zimmer: Stell' Dir vor, Du hättest eine Zeitmaschine, könntest in die Zukunft reisen und könntest Dir dort selbst begegnen - ob nun Wunsch oder Vermutung: Wie sieht Dein Leben aus, im Jahr 2010?

Roman Graf: Dann bin ich 32. Das ideale Alter, um einen guten Roman zu schreiben.

Berliner Zimmer: Recht herzlichen Dank für die Worte! - Das Berliner Zimmer wünscht Dir Freude und Erfolg beim Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig.

Im September 2003 erscheint in der Verlagsgruppe Randomhouse / Bertelsmann eine Anthologie, in der auch Roman Graf vertreten ist: 
Nehmt mich beim Wort. Von Buntschatten, Pandas und 50 Arten, die Strümpfe anzuziehen.

Roman Graf im Internet: 
Roman Graf - Website: http://www.romangraf.ch  
Gruppe 02: http://gruppe02.ch/  
story.ch: http://story.ch/ 
 "Palaver - junge Schweizer Literatur", Verlagshaus N&C: http://www.noch.ch 

(Das Gespräch führte Mone Hartman im September 2003. Die Veröffentlichung und Vervielfältigung, auch auf elektronischem Wege ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Berliner Zimmers gestattet.)

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