Interviews

Suche
Impressum
Kontakt


Willkommen

Übersicht

 

Literatur im Netz

Eingangsseite

Magazine

Projekte

Autoren

Schreiben

Theorie

Rezensionen

Literatur-Foren

Webringe

Weitere Linklisten

Adressen

Magazin
Übersicht
juh's Satire
Rezensionen
Surftipps
Artikel
Buchtipps
 

Erosa

Aktuelle Ausgabe

Hinweise für Autoren

 

Tagebau

Der Tag im tage-bau

Das Buch

Archiv

Anmelden

Info

 

Berliner Künstler

Sebastian Czapek

Archiv

  

Interaktiv

Newsletter

Mailingliste

Chat (Mo 20:00)

Forum

Gästebuch

Webcam

Suchen

Downloads
(MP3, EBooks, Interviews) 

  

Die Herausgeber

Sabrina Ortmann

Enno Peter

  

Über uns

Impressum

Kontakt

Presse

Werben im 
BerlinerZimmer 

  
SMILE!
  

Gesucht: Professionelle Amateure

Das Berliner Zimmer im Gespräch mit Christian Bartel vom 
Literaturmagazin „Hanebüchlein“


Berliner Zimmer: Wer sind die Leute, die hinter dem Hanebüchlein stehen, und wie sieht deren Arbeit aus?

Christian Bartel: Die Redaktionsräume des Hanebüchleins werden ganzjährig von den Redakteuren bewohnt, so dass ganz beiläufig eine fruchtbare bis beklemmende Überschneidung von Leben und Arbeit entsteht. Redaktionelle oder gestalterische Probleme werden dementsprechend bisweilen schon am Frühstückstisch diskutiert, was ich persönlich für eine Unart halte. Dazu kommen regelmäßige Arbeitstreffen mit den Hausautoren, auf denen die Fortsetzungsromane weitergesponnen werden und Fragen der, in der Regel fehlenden, public relations besprochen werden. Herr Fleßing serviert dort Tee und Gebäck. 
Eine Trennung der einzelnen Ressorts findet in der Regel nicht statt, die Zuständigkeit endet mit Kompetenz und Neigung des entsprechenden Mitarbeiters. Jeder schafft ganz nach seinen Bedürfnissen und Befähigungen, was Entfremdung vorbeugt. Herr Nachit sorgt für die liebevolle Bildauswahl, die in ihrer Antiquiertheit das Modernistische des Mediums Internet konterkariert, besorgt HTML-Frondienste und bespricht Lichtspielereignisse während Herr Hansmann gewissermaßen die technische Leitung des Projektes hat. Beide zusammen wachen sie mit Argusaugen über den schmalen Pfad der guten Lesbarkeit und des, gemessen an den Maßstäben der sonstigen Gepflogenheiten im Netz, minimalistischen gestalterischen Ausstattung, den sich das Hanebüchlein zu beschreiten auferlegt hat. Herr Bartel drängelt sich vor, besorgt die Illustrationen, betreut den "Plat du jour", schreibt Kurzgeschichten und versucht, doch noch irgendwelche Spielereien unterzubringen. Frau Schüller betreut die Damen-Kolumne, wobei ihr Frau LaRouche bisweilen zur Hand geht, welche auch unter diversen anderen Namen herumgeistert. Herr Himmelstedt jr. schreibt Kurzgeschichten sowie die TaxiBert-Saga, Herr Tigchelaar tut es ihm bei den Kurzgeschichten gleich und bringt außerdem noch verlegerisches Know-How ein, welches er als Verleger des derzeit ruhenden "Großenwahns" zweifellos erworben hat. Auch Herr Kühn schreibt Diverses, beschäftigt sich aber momentan hauptsächlich mit der Propagierung seiner selbst sowie des Hanebüchleins auf verschiedenen, sogenannten Liedermaching-Veranstaltungen in Deutschlands Lasterhöhlen. Der neue Tonträger des Herrn Kühn aka Der Flotte Totte kann übrigens auch über die Hanebüchlein-Site direkt vom Erzeuger angefragt werden.

BeZi: Seit wann gibt es das Hanebüchlein?

CB: Die ursprüngliche Idee des Hanebüchleins ist schon recht alt. 1995 oder 96, ausbaldowert von Herrn Kühn und Herrn Bartel. Damals war es natürlich noch die Idee eines Printmagazins, gelayoutet auf dem Computer eines befreundeten Irren, der die zweifelhafte Ehre hatte, sich seitenweise durch verschmierte Schreibmaschinenmanuskripte kämpfen zu dürfen. Es existiert sogar noch eine Urversion mit den alten Texten, die jedoch nie veröffentlicht wurden. Irgendwann im Sommer letzten Jahres wurde der Gedanken wieder hervorgekramt: vor allem weil Herr Bartel in dieser Zeit viel geschrieben hatte und nicht recht wusste wohin damit. 
... und die etablierten Verlage in dieser Hinsicht nicht sehr kooperativ waren ... Da lag es dann nahe, sich selbst einen adäquaten Präsentationsrahmen zu schaffen, zumal diese Idee, wie gesagt, schon länger anhängig war. Wegen der vorliegenden Texte war das Hanebüchlein als themenzentriertes Heft geplant, das sich dem Thema: Gewalt & Verbrechen annähern sollte, daher rührt auch noch der Untertitel der Veranstaltung "Geschichten mit Hängen und Würgen". Als wir uns für die Internetlösung entschlossen hatten, wurde die Idee geboren, die Präsentation der Texte mit einem Magazinteil zu unterfüttern, um mit den kolumnistischen Texten häufiger Präsenz zu zeigen, als das mit Kurzgeschichten oder gar längeren erzählenden Texten möglich gewesen wäre.

BeZi: Was ist die Idee, die hinter dem Projekt steckt, warum machen Sie das? Was und wen wollen Sie damit erreichen?  Was sind die Ziele, die man mit einem solchen Literaturprojekt ansteuern möchte?

CB: Das Hanebüchlein ist im wesentlichen eine Produzentengalerie, das heißt die meisten Autoren, die hier ihre Texte präsentieren, stehen in direktem Kontakt zur Redaktion oder redigieren selber, so dass Erscheinungsbild und Konzept des Projektes bisher im Dialog erarbeitet wurden. Allerdings kommen erfreulicherweise immer mehr Autoren auf elektronischem Wege zu uns, die uns Texte zur Veröffentlichung überlassen, so dass eine stringentere Redaktionsarbeit unerlässlich wird. Allerdings soll die ursprüngliche Idee, dass im Hanebüchlein `Liebhaberstücke` präsentiert werden, nicht verloren gehen. In dem kolumnistischen Teil des Hanebüchleins hat sich ein salonhafter Plauderton etabliert, der, leicht blasiert, vor Belehrung des Lesers nicht zurückschreckt, aber dennoch prinzipiell dessen Erbauung dient. Oftmals haben diese Texte satirischen Charakter. Dennoch ist das Hanebüchlein eher ein Produkt satirischer Grundhaltung, als ein Satiremagazin. Einige reizvolle Texte, wie das Brecht-Essay von Ali Shad, sind zweifellos nicht satirisch, passen aber, wegen ihrer außergewöhnlichen Perspektive, dennoch gut ins Hanebüchlein. Die Textsammlungen "Räuberpistolen" und Liebesgeschwüre" unterliegen nur den angegebenen thematischen Einschränkungen, die nicht gerade eng gefasst sind. Wir denken, dass es statthaft ist, computernutzenden Alphabeten die Rezeption verschiedenartiger Texte zuzumuten, ohne diese einzeln zu etikettieren. Ende diesen Jahres soll übrigens der erste Hanebüchleinsammelband in gedruckter Form herauskommen. Wir wollen das erste Konvolut Räuberpistolen auf den Markt werfen, mit bekannten, im Netz publizierten Geschichten, und zahlreichen Bonustracks. Der Vertrieb wird auch über die Site laufen, nebenbei bemerkt. Weitere Sammelbände sollen dann möglichst regelmäßig folgen.

BeZi: Gut, der Untertitel ist geklärt. Doch warum: "Hanebüchlein"?

CB: Der Name Hanebüchlein steht für ein gewisses Understatement und strahlt, wie auch unser geliebter Commodore Nutt, eleganten Retro-Charme aus. Der Diminutiv von "Buch" in Verbindung mit dem Wort "Hanebüchen" deckt eine assoziative Bandbreite ab, die von betulicher Gartenlaube bis zynischer Boshaftigkeit reicht. Irgendwo dazwischen liegt wohl auch das Wesen des Hanebüchleins. Wir kokettieren einerseits gerne mit diesen altbackenen Formulierungen wie "Die Seite für die Dame" und den dazugehörigen Fotos, andererseits bewegen wir uns aber, vor allem rezensierend, in populärkulturellen Gewässern und gelegentlich werden wir auch obszön. Das passiert halt. Die Brüche und Gegensätze, die aus einer solchen Präsentation entstehen, finden wir ziemlich lustig. Irgendwie passt zu dem Nischendasein eines kleinen Magazins im Netz auch dieser Gestus biedermeierlicher Nettigkeit, der freilich inhaltlich nicht eingelöst werden soll.

BeZi: Sie rufen Autoren auf, Ihnen Texte zu schicken. Was suchen Sie, wer kann sich bei Ihnen melden?

CB: Wir rufen ganz explizit zu Dilettantismus auf. Uns gefällt die ursprüngliche Idee des Amateurs, die ursprünglich keine qualitative Herabsetzung bedeutet, sondern lediglich von der Liebe zu einer bestimmten Tätigkeit zeugt. Wir publizieren, das was uns Spaß macht, Texte, die uns inspiriert erscheinen. Deshalb wollen wir uns nicht zu genau auf bestimmte Genres festlegen, wir sind prinzipiell offen für alle Arten von Literatur. Schwierig finden wir allerdings esoterische Blümchenlyrik oder pathetische Nabelschau selbsternannter Genies, zumal die Hausautoren in diesen Disziplinen kaum zu übertreffen sind. Generell gilt es eigentlich nur, die geistige Pubertät in Ruhe hinter sich bringen, aber auch nicht zu weit, und dann erst anzufangen, dem Hanebüchlein Texte zu schicken. Dann kann gar nichts passieren.

BeZi: Wann hat man Chancen, einen selbstverfassten Text im Hanebüchlein lesen zu können?

CB: Jederzeit. Einfach einschicken. Wenn die Texte nicht zu den derzeit existierenden Rubriken passen sollten, erfinden wir einfach neue. Die Rechte bleiben natürlich bei den Autoren.

BeZi: Haben Sie Tipps, wie man als Autor auf sich und seine Texte im Internet aufmerksam machen kann?

CB: 1. Für einen Siegeszug im Internet lasse man einfach in einem beliebigen Text die Worte "Teresa Orlowski" und "Straßenstrich" fallen, so man denn bei den Suchmaschinen angemeldet ist. Und schon sind sie alle da. Und gleich wieder weg, siehe das Logfile des Hanebüchlein
2. Oder gleich im Hanebüchlein veröffentlichen ... 

BeZi: Was sollten Autoren und Autorinnen im Netz unbedingt vermeiden?

CB: Disziplin, bzw. Leberwurst. Grobe Leberwurst, um genau zu sein. Desweiteren soll man bei der optischen Gestaltung eigener Seiten bitte die Grenzen der Schicklichkeit wahren und die Gebote des Commodore Nutt achten: "Frames, Zappelgifs, labyrintische Site-Strukturen und allgemeines Klicki-Bunti-Design sind ein Greuel in meinen Augen. Von Übel sind auch Farbexperimente: Solche, die allen Ernstes meinen, blaue Schrift auf rosa Hintergrund sei dem Lesevergnügen förderlich, sollen des Todes sterben. Ferner sind unrein: Pop-Ups, psychedelische Hintergründe und Flash-Intros, sowie piepsige Midi-Melodien Denn Höre, Israel : alles was eine Seite zur HTML-Dorfdisco macht, ist mir ein Frevel und ihr sollt es nicht nutzen auf Euren Sites. Und das war´s auch schon."

BeZi: Sollte man seine Texte umsonst veröffentlichen, oder glauben Sie an die Möglichkeit des ökonomischen Gewinns im Internet?

CB: Mit einem rein elektronischen Projekt literarischer No-Names Profit machen zu wollen, ist reichlich schwierig. Eine Finanzierung durch Werbung ist der einzig gangbare Weg, allerdings verbieten sich gewisse Formen der Bannerwerbung schon allein wegen ihrer Hässlichkeit. Die Einkünfte, die man mit den allgemeinen Konditionen der großen Werbekunden (Amazon, bol, etc.) erzielen kann, sind dazu erschreckend gering, geradezu vernachlässigenswert. Vorteilhaft ist lediglich, dass man als Werbepartner großer Bücherhäuser die Cover der rezensierten Objekte als Illustrationen benutzen darf, was wir aber ohnehin schon immer getan haben. Merchandising ist zwar toll, muss aber aufwendig vorfinanziert werden, wenn es profitträchtig sein soll. Außerdem steht man dann blöd da mit seinen zweitausend Hanebüchlein-Eierbechern, die keiner kauft. Dennoch glauben wir krampfhaft an den ökonomischen Gewinn, und zwar nicht nur im Internet, sondern auf ganzer Linie. Das heißt für die Autoren, dass wir keine Honorare zahlen können, was wir aber ohne weiteres tun würden, wenn wir das könnten. Das ist nicht schön, lässt sich aber im Moment nicht ändern.

BeZi: Wie finanziert sich in einer solchen Situation das Hanebüchlein?

CB: Bis jetzt finanzieren wir uns ausschließlich durch den Erlös, den unser hauseigener Backwarenspezialist, der Herr Fleßing, mit seinem Kuchen- und Keksverkauf auf Heavy Metal-Conventions erzielt. Also gar nicht.

BeZi: Lesen Sie selbst viel am Bildschirm, wenn ja: welche Web-Sites empfehlen Sie? Oder drucken Sie sich Texte aus?

CB: Die Hanebüchlein-Redakteure sind hier, wie immer, uneins. Manche lesen nur vom Papier, andere wiederum sind gar nicht mehr fortzukriegen vom Bildschirm. Eine kleine Auswahl schöner Sites stellen wir jedenfalls in der Rubrik "Befreundetes Ausland" vor. Erwähnt seien hier nur die ominösen www.dreigriechen.de, der Kleinproduzent www.kpk-film.de  und die musikalischen Experimente der Herren Tigchelaar und Widmann wegen ihrer ausgesprochenen Schönheit und der freundschaftlichen, bisweilen inzestuösen Nähe zum Hanebüchlein.

BeZi: Vielen Dank für die aufschlussreichen Antworten!

CB: Gern geschehen.


Dieses Interview führte Jörn Pinnow im Juni 2001. 

Nachdruck und Vervielfältigung - auch auf elektronischem Wege - ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Berliner Zimmers erlaubt.

  


Newsletter


Mailingliste


Suchen


Surftipp

Die Surftipps des Berliner Zimmers


Buchtipps 

 Rezensionen


 

 Home, sweet Home
Copyright Sabrina Ortmann und Enno E. Peter 1998-200
4
Impressum
Kontakt:
info@berlinerzimmer.de